Aus der Reihe: Sternstunden der deutschen Sprache (4)

Heute: Der Abbruchsbahnhof

Zu den unermesslichen Wortschöpfungsfreudenquellen, die einem die Deutsche Bahn AG beschert, gehört neben dem mir schon seit längerem bekannten „Unterwegsbahnhof“ seit kurzem auch der „Abbruchsbahnhof“. Dabei handelt es sich keineswegs um einen abbruchreifen Bahnhof (wovon es sicher viele gibt), sondern um einen Bahnhof, an dem die Fahrt abgebrochen wurde – selbstverständlich aufgrund von Widrigkeiten, die bei der Bahn begründet lagen (auch solche Bahnhöfe gibt es leider viele).

(In diesem Fall wurde die Freude über die Bahn und ihre Eigentümlichkeiten zusätzlich dadurch erhöht, dass der zuständige Bearbeiter im „Servicecenter Fahrgastrechte“ zunächst keine Verspätungsentschädigung genehmigen wollte, da die Verspätung am „Abbruchsbahnhof“ ja „nur“ 56 Minuten betragen habe – und Entschädigung gibt es schließlich erst ab 60 Minuten. Dass die Fahrt wegen des Abbruchs mit dem Taxi fortgesetzt werden musste und somit die Verspätung am „Zielbahnhof“ deutlich mehr als 60 Minuten betrug, spielte für diesen Bearbeiter, der den „Abbruchsbahnhof“ kurzerhand zum „Zielort“ erklärte, keine Rolle: Hartleibigkeit. Für vier Personen wollte er insgesamt eine Entschädigung von sage und schreibe 0,55 Euro genehmigen. Sänk ju for träwelling tu se Abbruchsbahnhof.)

Der bunt bestickte Kofia, die traditionelle muslimische Kopfbedeckung der männlichen Sansibari

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2 Gedanken zu „Aus der Reihe: Sternstunden der deutschen Sprache (4)

  1. Als mein Mann noch keine Führerschein hatte, kamen wir mal auf die wahnwitzige Idee, er könnte ja mit dem Zug von Frankfurt zu mir fahren, damit ich nicht dauernd hin- und herfahren muß.
    Ende vom Lied: ein in Friedberg ohne Erklärung stehengebliebener Zug, es gingen noch nicht mal die Türen auf, die Fahrgäste mußten sich selber „befreien“. Und ich durfte losfahren, um ihn einzusammeln.
    Als Ottonormalverbraucher hätte ich gedacht, in so einem Fall macht man eine Durchsage mit Erklärung und dem Hinweis, wo man sich am Bahnhof seine Entschädigung abholen kann.
    Aber ich arbeite ja auch nicht bei der Bahn…

    Gefällt 1 Person

    • Ja, die Bahn – ein völkerverbindendes Thema… So hat man wenigstens immer ein Thema, über das man sich mit wildfremden Menschen unterhalten kann (zum Beispiel beim, äh: Bahnfahren!), denn jeder hat schon skurrile Erlebnisse damit gehabt!

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