Wunderwelt Sauna

Wer an anthropologischen Studien interessiert ist, sollte über gelegentliche Saunabesuche nachdenken. Allerdings sind für solche Zwecke nur Saunen in Deutschland wirklich geeignet, denn aufgrund spezifisch deutscher Gepflogenheiten bieten diese Besuche weit mehr erheiternde, bisweilen aber auch verstörende Erlebnisse als das in anderen Ländern der Fall ist. Dies hat vor allem mit dem allumfassenden Nacktheitszwang zu tun, der in deutschen Saunen herrscht und der Besucher aus dem Ausland immer wieder fassungslos und verstört fliehen lässt. Aber auch andere regelmäßig anzutreffende Verhaltensweisen von Saunafreunden bieten Anlass zum Staunen. Kurz gesagt: Es handelt sich um ein schier unerschöpfliches Forschungsfeld.

Während in anderen Ländern – darunter auch Finnland, das Mutterland der Sauna – noch nicht einmal während des Saunagangs die pure Nacktheit zwingend erforderlich ist, sondern es vor allem bei gemischten Saunen durchaus auch möglich beziehungsweise sogar gesellschaftlich vorgeschrieben ist, schamhaft ein Handtuch oder Badebekleidung über die eigenen körperlichen Unzulänglichkeiten zu werfen, dominiert im Mutterland der Freikörperkultur ein erzwungen ungezwungener Umgang mit nackten Tatsachen. Nicht selten kommt es vor, dass auch außerhalb der Saunakabinen Menschen fröhlich und ausdauernd nackt promenieren und ebenso nackt breitbeinig auf Liegen herumlümmeln, wobei sie sich noch nicht einmal von der Tatsache stören lassen, dass direkt neben ihrem Lagerplatz ein Bürohochhaus aufragt, von dem aus freie Sicht auf die Nackten herrscht, die so zur Volksbelustigung freigegeben sind.

Zwar gilt nun auch hier die Grundregel des menschlichen Miteinanders „Jeder so, wie er mag“. Allerdings habe ich bei meinen regelmäßigen Saunabesuchen zwei grundlegende Beobachtungen gemacht, die sich immer wieder bewahrheiten und mich auch immer wieder aufs Neue verblüffen:

1.) Es gibt ja naturgemäß nur sehr wenige Menschen, die mit Modelmaßen gesegnet sind – man begegnet in öffentlichen Saunen im allgemeinen sämtlichen Spielarten des menschlichen Körperbaus inklusive seiner Extremitäten, was an sich ja auch nicht schlimm ist. Immerhin hat das Ganze auch einen gewissen Lerncharakter –  man sieht vieles, von dessen Existenz man unter Umständen noch gar nichts wusste, und kommt zur Erkenntnis: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Soviel zum anthropologischen Aspekt. Erstaunlicherweise lässt sich aber aus dieser Beobachtung folgende Faustregel ableiten: Je weniger, nun ja: „vorteilhaft“ die Natur mit dem Körperbau von Saunafreunden umgegangen ist, desto größer scheint deren unerklärliches Bedürfnis zu sein, ihre Formen der Sauna-Öffentlichkeit quasi als menschliche Auslegeware äußert aufdringlich ständig und überall hüllenlos unter die Nase zu reiben. Ich habe es einmal an einem warmen, sonnigen Tag im Außenliegebereich einer Sauna erlebt, dass ich irgendwann gar nicht mehr wusste, wohin ich schauen sollte, damit mir mein Nudelsalat, den ich gerade zu essen gedachte, nicht im Halse stecken blieb – denn egal, wohin mein zunehmend flackernder Blick auch fiel, ständig baumelten von Sonnenliegen männliche oder weibliche Körperteile in teilweise absurd anmutenden Dimensionen in mein Blickfeld, die ich nun wirklich nicht sehen wollte, schon gar nicht beim Essen (ich bin nun mal der Meinung, dass der Anblick von Nudeln und Würstchen in verschwenderischen Mengen aufs Essen beschränkt bleiben sollte). Eine nicht unwesentliche Rolle spielt dabei die Tatsache, dass solche zeigefreudigen Saunagenossen offenbar auch von dem unerklärlichen Zwang befallen sind, möglichst häufig breitbeinig dazuliegen, so dass man in manche dieser Frauen geradezu hineinschauen kann, wobei allerdings auch der aufgezwungene Anblick ihrer männlichen Pendants samt lässig drapiertem Zubehör wenig Anlass zur Freude bietet. Solche Szenen wären gerade noch erträglich, wenn nicht diese Exhibitionisten aus ihrem eigenen Drang, sich ungehemmt und entblößt jedem aufzudrängen, der nicht schnell genug davongerannt ist, das Recht ableiten würden, ungeniert auch alle anderen anzustarren und Saunafreunden, die zwischen den Schwitzgängen gerne im Bademantel oder auch in Badebekleidung promenieren oder herumliegen, mit düsteren Blicken zu verstehen zu geben, dass eine solche Sauna-Burka aber gar nicht gerne gesehen wird.

2.) Je biederer Menschen in angekleidetem Zustand erscheinen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie tätowiert und gepierct sind. Einmal sah ich eine schätzungsweise etwa 60 Jahre alte Frau, deren Körperform sehr ins Unförmig-Schwammige spielte und die ihre Rückseite mit einem völlig überdimensionierten „Arschgeweih“ verziert hatte, das durch die ausladenden Dimensionen seiner Trägerin noch zusätzlich in die Breite gezogen wurde. Diese Tätowierung machte schon im Gesamtkonzept einen recht albernen Eindruck – was mich aber zusätzlich erschütterte, war die Tatsache, dass das Mittelteil des „Arschgeweihs“ augenscheinlich aus einer etwa 20 Zentimeter großen Laus zu bestehen schien – eventuell war es auch eine Zecke, da war ich mir nicht ganz sicher. Warum um Himmels willen, so fragte ich mich, lässt sich jemand Ungeziefer in Übergröße auf die Rückseite tätowieren? Auch bieder aussehende Paare, die ihre sich offenbar für Zwecke, die ich gar nicht kennen will, gegenseitig ergänzenden Piercings im „Intimbereich“ bereitwillig jedem aufdrängen, sind keine Seltenheit – zumindest an Tagen, an denen „ab 18 Uhr textilfreies Baden in der gesamten Anlage mit Teilnahmepflicht!!“ angesagt ist (leider aber auch schon lange vor 18 Uhr). Angesichts solcher zeigefreudigen Saunafreunde möchte man nicht über die Szenen nachdenken, die sich ab 18 Uhr in schummrigen Ecken der gesamten Anlage textilfrei abspielen – denn es fällt auf, dass die Intimpiercing-Paar-Dichte an Tagen mit „textilfreiem Baden in der gesamten Anlage mit Teilnahmepflicht!!“ ganz besonders hoch ist. Ein Grund, warum ich inzwischen an solchen Tagen Saunen meide.

Interessanterweise ist der Drang zur dauerhaften Entblößung und Feilbietung bei jungen, knackigen Männern deutlich weniger ausgeprägt als bei älteren, sehr raumgreifenden Tattoo- und Piercing-Liebhabern. Eine Ausnahme bilden lediglich junge Männer, die dem um sich greifenden Drang zur kompletten Ganzkörperenthaarung verfallen sind und das erschütternde Ergebnis aller Welt präsentieren wollen, so dass man sich gelegentlich fragt, woher sich denn nun dieser kleine Nacktmull oder jener Engerling in die Sauna verirrt hat.

Abseits der wundersamen Einblicke in die Freikörperkultur ermöglichen Saunabesuche aber auch andere aufschlussreiche Beobachtungen menschlichen Verhaltens. Ein besonders dankbares Forschungsfeld ist dabei immer wieder das Saunierverhalten von Männern. Es ist nun so, dass ich selbst sehr gerne sehr heiß und sehr ausdauernd sauniere (ohne Bademantel) und danach dann auch eine sehr kalte Dusche brauche (bevor ich meine  eigenen körperlichen Unzulänglichkeiten wieder mit dem Bademantel oder Handtuch verhülle). All diese Vorgänge laufen bei mir aber mehr oder weniger geräuschlos ab. Nicht so beim Typus „männlicher Saunabesucher mit Restgenen des Neandertalers“, bei dem ein Saunagang wie folgt von statten geht:

Zunächst wirft sich der Neandertaler sehr geräuschvoll mit seinem Handtuch auf die Saunabank, die mit lautem Ächzen und Krachen ihren Protest kundtut. Nach mehrmaligem Hin- und Herwuchten, das schwere Erschütterungen der gesamten Sauna zur Folge hat, hat der Neandertaler seine bevorzugte Sitz- beziehungsweise Liegeposition gefunden, bei der natürlich Breitbeinigkeit zwingend erforderlich ist. Danach beginnt der Neandertaler erstaunlich schnell zu schwitzen, was rasch eine der unangenehmsten Begleiterscheinungen des Saunierens mit Fremden nach sich zieht: das sogenannte Schweißschaben. Der Neandertaler schabt sich unter Produzieren eines unschönen Glitschgeräusches in regelmäßigen Abständen den stetig strömenden Schweiß von der Haut, was zuweilen auch noch von einem merkwürdigen Stöhnen begleitet wird, das Unruhe bei den weiblichen Saunagästen auslöst. Irgendwann setzt sich der Neandertaler dann stöhnend auf, lehnt sich zurück und legt – ungeachtet des überall gut sichtbar angebrachten Schildes mit der Aufschrift „Kein Schweiß auf’s Holz!“ – seine fleischigen Arme auf der Sitzbank in seinem Rücken ab, so dass diese zwischen den Schweißschabungen ausgiebig benetzt wird. Schließlich hat der Neandertaler genug geschwitzt (meist nach einer verblüffend kurzen Zeit), schabt ein letztes Mal den Schweiß und verteilt ihn großzügig in alle Richtungen auf die angrenzend gelagerten Saunafreunde, um dann unter lautem Geächze und Gestöhne sowie erneuten Erschütterungen des Saunaapparates, die bei den Zurückbleibenden besorgte Fragen nach der Statik aufwerfen, die heiße Hölle zu verlassen. Als unvermeidlicher Höhepunkt folgt nun der abstoßendste Teil seiner lärmenden Vorstellung: Sobald den Neandertaler der erste eisige (oder wie ich vermute: eher lauwarme) Strahl der Dusche trifft, bricht er in laute, dumpfe und langanhaltende Schreie aus, die schaurig durch die gesamte Anlage hallen und den Eindruck erwecken, er befinde sich im finalen Todeskampf mit einem Mammut. Beschämend, kann ich da nur sagen – einfach beschämend.

Generell scheint nach meiner Beobachtung ein nicht unbeträchtlicher Teil der männlichen Saunafreunde an Selbstüberschätzung zu leiden, was das Durchhaltevermögen bei höherer Temperatur und Luftfeuchtigkeit angeht. Als ich einmal eine russische Banja betrat, bei der außen angezeigt wurde, dass die Temperatur bei 100 Grad liege, fielen mir dort sofort drei männliche Anfangszwanziger (tätowiert und gepierct) auf, die sich auf der obersten Bank abgelegt hatten und dort lärmten, wann es denn nun endlich losgehe mit dem Aufguss. Schließlich betrat der Saunameister die Banja mit einem Eimer Wasser, in dem sich zwei Bündel Birkenzweige befanden. Die triefenden Birkenzweige legte er kurz zur Erhitzung auf den Saunaofen und dann ging es los: Wusch, wusch, wusch schleuderte er die aufgeheizten Zweige über seinem Kopf im Kreis herum, so dass wir alle mit einem Schwall kochendheißer Wassertropfen bedeckt wurden. Im ersten Moment war ich überzeugt, dass ich sterben müsse, doch dieser Eindruck verflüchtigte sich recht bald und wich einem doch ganz angenehmen Gefühl, auch wenn die Luft noch heißer und noch feuchter schien, als ich das aus der heißesten Sauna nach einem Aufguss gewohnt war. Allerdings schien eine Laune der Natur dafür zu sorgen, dass sich dieses wohlige Gefühl nur bei den anwesenden Damen ausbreitete – die drei jungen Herren dagegen saßen kurz mit schockgeweiteten Augen und offenen Mündern stumm da, bevor sie anfingen zu keuchen und zu japsen und dann nacheinander von der obersten Bank herunterstürzten und die Banja fluchtartig verließen. Sie wurden nie wieder gesehen.

Zwei männliche Sauna-Stereotypen, die mir ebenfalls wenig Freude bereiten, sind die Typen „leptosomer Yogi“ und „dicker Schnaufer“ – vor allem, wenn sie in einer Kombination auftreten, die man einfach nur als unangenehm bezeichnen kann. So geschehen eines schönen Tages, als ich eigentlich gedachte, mich in der Sauna zu entspannen. Das ging zwei Minuten gut – bis die Saunatür aufging und ein Leptosom, bewaffnet mit einer Schrubberbürste, die Sauna betrat. Während ich mich noch fragte, was er wohl mit der Bürste vorhatte, ließ sich der Leptosom im Yogasitz neben mir nieder, schloss seine Augen, legte einen konzentrierten Gesichtsausdruck auf und begann mit Atemübungen, die ihn offenbar in den Zustand der Tiefenentspannung versetzen sollten. Diese Atemübungen waren dergestalt, dass der Leptosom die Saunaluft tief und geräuschvoll durch die Nase einsog, um sie dann durch seine entspannt-geschlossenen Lippen wieder ausströmen zu lassen, was in etwa das gleiche Geräusch erzeugte, das Pferde beim Schnauben von sich geben. Da ich von Natur aus etwas geräuschempfindlich bin, wollte bei mir nicht so die rechte Tiefenentspannung aufkommen, während sich der Leptosom links von mir dem Nirwana entgegenatmete. Vielleicht wäre es mir ja mit äußerster Konzentration sogar gelungen, die Geräusche auszublenden, wenn sich nicht plötzlich die Tür ein weiteres Mal geöffnet hätte und der dicke Schnaufer hereingequollen wäre. Dieser ließ sich nun rechts von mir auf die Saunabank fallen (was den Leptosom und mich kurz in die Höhe katapultierte) und begann, nachdem er sich mit seinem Handtuch häuslich eingerichtet hatte, ebenfalls mit „Atemübungen“ – wobei er sich vom Leptosom dahingehend unterschied, dass es sich bei seinem schweren Schnaufen, das den Eindruck erweckte, er habe gerade einen 2.000-Meter-Lauf absolviert, einfach um seine ganz normale Alltagsatemtechnik handelte.

Ich lag nun sprachlos in der Mitte und merkte, wie sich in mir anstelle von sanfter Entspannung scharfkantige Aggression ausbreitete. Anstatt wohlig-entspannt vor mich hinzudämmern, musste ich mir anhören, wie links und rechts im Wechsel Schnauben und Schnaufen ertönte, unterbrochen nur vom regelmäßigen Schweißschaben des dicken Schnaufers: „brrrrrrr“ – „fuuuuuu“ – „brrrrrrr“ – „fuuuuuu“ – (glitsch) – „brrrrrrr“ – „fuuuuuu“ – „brrrrrrr“ – „fuuuuuu“ – (glitsch) –  usw. Was zu viel war, war zu viel – ich verließ entnervt die Sauna und kam so nicht mehr in den zweifelhaften Genuss, die Schrubberbürste, die bisher neben dem leptosomen Yogi geruht hatte, in Aktion zu erleben – war aber auch nicht besonders erpicht darauf, im Schweiße meines Angesichts von aufwirbelnden Hautschuppen eines lederhäutigen Schnaubers berieselt zu werden. Ich beschloss, stattdessen eine Runde zu schwimmen und es danach noch einmal mit der Sauna zu probieren, die dann hoffentlich leer und ruhig sein würde. Als ich nach einer halben Stunde vom Schwimmen zurückkam, fand ich die Sauna tatsächlich leer und ruhig vor und ließ mich aufatmend auf der obersten Bank nieder. Als ich gerade wohlig innerlich davonschweben wollte, hörte ich plötzlich, wie sich die Tür öffnete. Ich ließ mich vom Eintreten eines weiteren Saunagastes nicht stören und fühlte, wie sich die Entspannung auf den Weg zu mir machte – als plötzlich neben mir pferdeartiges Schnauben ertönte. Entgeistert öffnete ich die Augen und sah den Leptosom, der gerade in die nächste Runde seiner Atemübungen startete – neben sich erneut den merkwürdigen Schrubber. Als ich aus meiner Schockstarre zu erwachen begann, öffnete sich erneut die Tür – und der Schnaufer trat ein. Wie bereits zuvor, warf er sich sitzend auf der untersten Bank auf sein Handtuch, legte seine Arme auf der darüberliegenden Bank ab (selbstverständlich ohne schützendes Handtuch) und begann pfeifend zu schnaufen.  „Brrrrrrr“ (links) – „fuuuuuu“ (rechts) – „brrrrrrr“ (links) – „fuuuuuu“ (rechts) – (glitsch) – „brrrrrrr“ (links) – „fuuuuuu“ (rechts) – „brrrrrrr“ (links) – „fuuuuuu“ (rechts) – (glitsch). Ich spürte, wie ich begann, wahnsinnig zu werden. Bevor ich Amok lief, stand ich auf, um die Sauna zu verlassen – allerdings nicht ohne beim Hinausgehen noch ein empörtes „E-kel-haft!“ in die Sauna zu schleudern. Ich bin sicher, dass ich die beiden Herren enorm beeindruckt zurückließ.

Allerdings sollte nicht der Eindruck entstehen, dass in der Sauna nur Männer verhaltensauffällig sind. Auch Frauen sind durchaus zu nachdenklich stimmenden Handlungen fähig. So lag ich eines Tages mal wieder in der diesmal leptosom- und schnauferfreien Sauna, in der sich außer mir nur noch eine andere Frau befand. Ich genoss die Stille, bis diese plötzlich von einem merkwürdigen, schabenden Geräusch unterbrochen wurde, das einige Sekunden anhielt, kurz pausierte und sich dann mit immer neuen kurzen Pausen exakt gleich lang fortsetzte. Schließlich öffnete ich neugierig geworden die Augen und schielte vorsichtig zu der anderen Sauniererin, wo ich Verblüffendes sah: Diese kratzte mit höchster Konzentration zunächst zehnmal ihren rechten Unterarm, dann zehnmal ihren linken Unterarm. Anschließend wurde zehnmal der rechte Oberarm bearbeitet, dann der linke Oberarm. Diese Prozedur setzte sich nacheinander an sämtlichen Körperteilen der Frau fort, wobei sie anscheinend einem strengen Regelwerk folgte, denn alle Kratzperioden waren immer exakt gleich lang. Zunächst fand ich dieses Verhalten nur wunderlich, sprachlos wurde ich erst, als das Happening in seinen krönenden Höhepunkt mündete, der gleichzeitig den denkwürdigen Abschluss bildete: Ich traute meinen Augen nicht, als die auf dem Rücken liegende Kratzerin tatsächlich ihren Po anhob, um anschließend – ja, es stimmt wirklich – direkt vor meinen Augen mit äußerster Konzentration zunächst zehnmal ihre rechte Pobacke und dann zehnmal ihre linke Pobacke zu kratzen. Ja, ist es denn die Möglichkeit…?!

Ein weiteres regelmäßig anzutreffendes Sauna-Phänomen hat bei mir zu einer kompromisslos-hartleibigen Haltung geführt: Ich persönlich befürworte absolut ein Hausverbot für Schnarcher in Ruheräumen. Es gibt kaum etwas Schlimmeres, als nach den Glitsch- und Schnauf-Strapazen in der Sauna dann auch noch während der Ruhephase von plötzlich einsetzenden Schnarchsymphonien um einen herum aufgeschreckt zu werden. Wenn es ganz schlecht läuft, befinden sich gleich mehrere Synchronschnarcher mit zeitversetzten Einsätzen im Raum, was dadurch begünstigt wird, dass die Ruheräume im allgemeinen in Rückenlage bevölkert werden – und diese führt bekanntermaßen zum Erschlaffen des Gaumensegels und in der Folge zum Schnarchen. Strenggenommen wird der Ruheraum somit allzu häufig zum Schnarchraum. Ich muss mich in solchen Situationen immer stark zügeln, um nicht plötzlich in die Schnarchstille hinein ganz laut „RUUUUUUUUUUUUUU–HEEEEEEEEE, VERDAMMT NOCH MAL!!!“ zu brüllen – denn angesichts meiner mich immer wieder überraschenden Erfahrung, dass meine Geräuschüberempfindlichkeit nur von den wenigsten Mitmenschen geteilt wird, befürchte ich leider, dass anschließend ich diejenige wäre, die wegen Ruhestörung des Raumes verwiesen würde.

Meine mit Abstand traumatisierendste Sauna-Erfahrung, die ich schon in der Nähe eines Nahtoderlebnisses sehe, machte ich in einem großen Freizeitbad, das laut Werbung jeden Tag einen kleinen Urlaub versprach. Zu meinem ersten und letzten Besuch dort fand ich mich an einem Sommertag inmitten einer Schlechtwetterperiode ein und wurde überraschenderweise plötzlich von strahlend blauem Himmel und angenehm sommerlichen Temperaturen empfangen. Deswegen vergnügte ich mich zunächst badend im angrenzenden See, wobei ich natürlich wie alle anderen auch Badebekleidung trug. Vom See aus entdeckte ich dann, dass auch das Saunaparadies einen ans Wasser grenzenden Freiluftbereich hatte, in dem sogar ein kleiner Sandstrand aufgeschüttet war. Also verlagerte ich mich dorthin, sah aber keinen einleuchtenden Grund, warum ich mich bereits vor dem ersten Saunagang meiner Badebekleidung entledigen sollte, solange ich nur auf einer Strandliege herumlag. Meine diesbezügliche Einstellung wurde aber ganz offensichtlich nicht geteilt, wie mir die mir zugeworfenen düsteren Blicke der übrigen Anwesenden verrieten, die ausnahmslos mehr oder weniger stark vorangeschrittenen Alters, zeigefreudig und somit splitterfasernackt waren, was einen großzügigen Blick auf weiträumig tätowierte und mit Brustwarzen- und sonstigen Piercings versehene Körperausstellungen um mich herum erlaubte oder besser gesagt: erzwang. Oder, um es im Polizeiberichtjargon auszudrücken: Man zeigte sich mir in schamverletzender Weise. Und das zuhauf.

Ich ließ mich davon jedoch nicht beirren, sondern ignorierte die Blicke und erfreute mich im Bikini mit (zum Selbstschutz) geschlossenen Augen der Sonne – bis ich plötzlich knapp vor dem wohligen Wegdösen neben mir ein merkwürdiges Klirren und Klimpern vernahm. Nichts Böses ahnend öffnete ich interessiert die Augen – und erstarrte: Neben mir stand ein schätzungsweise 80-jähriger Greis mit dem Gesicht eines netten, harmlosen, brillentragenden Opis, dessen restliches Erscheinungsbild leider nicht den Idealvorstellungen eines netten, harmlosen, brillentragenden Opis entsprach. Überflüssig zu erwähnen, dass auch er natürlich keinen Fetzen Stoff am zerknitterten Leibe trug, was ich allerdings erst nach einigen Sekunden bemerkte, denn das, was ich beim erschrockenen Senken meines Blickes zunächst beiläufig für einen leopardengemusterten Tanga gehalten hatte, entpuppte sich bei näherem Hinsehen (das sich nicht vermeiden ließ, da der Greis direkt neben mir stand und mir seinen Anblick förmlich aufzwang) als ein großflächig tätowiertes „Tribal“ in der Lendengegend. Dieses erfüllte offenbar den Zweck, in der Art eines Neonpfeils auf die eigentliche Attraktion hinzuweisen, die direkt darunter baumelte und – den Gesetzen der Schwerkraft erbarmungslos folgend – zu geradezu unglaublichen Ausmaßen gedehnt worden war: Denn geschmückt war das Gehänge des Greises mit zahlreichen Piercings, deren Anzahl sich im dreistelligen Bereich bewegte, wie mein Gehirn in groben Überschlagsschätzungen noch rasch feststellen konnte, bevor es auf Autopilot umschaltete, um die erschütternde Realität nicht mehr wahrnehmen und analysieren zu müssen.

Nach mehreren Schocksekunden, die sich zu Stunden zu dehnen schienen, verweigerten auch meine Augen im Angesicht des Schreckens ihren Dienst und klappten unaufgefordert zu, während der Rest meines Körpers paralysiert auf der Liege zusammensackte. Als ich die Augen schließlich doch wieder öffnete, stand Opi mit in die Hüften gestemmten Händen immer noch neben mir und ließ seinen Blick erhobenen Hauptes scheinbar suchend durch die Gegend schweifen, was sämtliche freischwingenden Teile seines ledrigen Körpers in Bewegung versetzte und erneutes Klimpern zur Folge hatte. Irgendwann stolzierte der Greis schließlich munter klirrend weiter und blieb bei den nächsten Liegenden wie zufällig suchend um sich her blickend stehen, damit auch diese seine Auslage bewundern konnten.  Egal, wo ich mich in den anschließenden Stunden auf dem Saunagelände auch aufhielt – irgendwann ertönte immer wieder aus der Ferne ein sich langsam näherndes Klirren und Klimpern, in dessen Gefolge dann auch der Metallgreis wieder in meinem Blickfeld auftauchte, bevor ich schleunigst aufs Neue das Weite suchte.

Dieser traumatische Vorfall ereignete sich natürlich an einem Tag mit „textilfreiem Baden in der gesamten Anlage mit Teilnahmepflicht!!“ – wenn auch lange vor 18 Uhr. Seither habe ich dieses Panoptikum des schamlosen Schreckens auch nicht mehr an Tagen ohne textilfreies Baden mit Teilnahmepflicht betreten, denn ich will auf keinen Fall den seither regelmäßig wiederkehrenden Alpträumen neue Nahrung geben, aus denen ich nachts schweißgebadet hochschrecke und in denen intimgepiercte Greise, die glockenläutend durch die Lande ziehen, eine zentrale Rolle spielen. Allerdings frage ich mich nun bei jedem rüstigen Rentner, der mir auf der Straße begegnet, ob er wohl unter seiner so harmlos erscheinenden beigefarbenen Jacke-Hose-Kombination ebenfalls ein Piercing des Grauens verbirgt. Kein schöner Gedanke – das kann ich versichern. Und das alles nur, weil in Deutschlands Saunen aufgezwungene Ungezwungenheit ihre verstörenden Blüten treibt.

– Ende –

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42 Gedanken zu „Wunderwelt Sauna

  1. scheibenkleister, welche leichtfertige und einseitige einstellung wir finnen zur sauna haben (wenn es schon eine vielfältige dramaturgie des dampfes und eine unmenge von saunaregeln gibt!) – wir bleiben einfältig in der sauna so lange es einem wohl ist und unser hobby ist, anstatt small talk, so genannt „big talk“ zu betreiben – sind meistens still und kommentieren mit ein paar worten die hitze und bestaunen die spiegelglatte oberfläche des sees…;)

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    • Das ist natürlich eine gute Frage – ich werde das mal im Auge behalten, wie lange so jemand es in der Sauna aushält 🙂 Aber manchmal wünsche ich mir wirklich eine Privatsauna – glückliches Finnland, wo es das selbst in Zwei-Zimmer-Wohnungen gibt!

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  2. Die schnelle Flucht der Bübchen könnte sich mit der Garzeit für hartgekochte Eier erklären 😉 .
    Ich habe noch ein Saunarätsel beizusteuern: Große, sechseckige Kaminsauna, nur eine handvoll Leutchen drin, und so eine dämliche Pute setzt sich fast direkt auf unser Handtuch?! Aszendent Sardine, oder was?
    Ein ziemlich erheiterndes Schauspiel erlebten wir, als die Piercingfraktion irgendein Erstatzteil verloren hatte und suchenderweise über die Liegewiese krabbelte. Wobei frau sich da manchmal wirklich fragt, wie manche Paare ohne Klempnernotrufnummer in Reichweite aktiv werden können…

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    • Diese Intimpiercing-Geschichte ist wirklich etwas, über das ich NICHT NACHDENKEN WILL (*Blumenwiese – Blumenwiese – Blumenwiese*, Lalalalalala….) Entsprechende Anrufe beim Notdienst stelle ich mir allerdings auch sehr erheiternd vor… 🙂 Ärzte können in dieser Hinsicht sicher auch sehr spannende Geschichten erzählen!

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  3. Also ich muss sagen, der Saunaort im bei mir nahegelegenen Kurort ist sehr entspannt. Man bzw. frau geht da hin, hat zwar das typische Nacktheitsding, aber zumindest ich hab’s noch nicht offensiv zelebriert gesehen. Wesentlich offensiver bin ich selbst mit meinem Wonder Woman Bademantel.

    Aber auf so eine Schaustellertruppe mit (a-)sozialem Nacktheitsdruck auch außerhalb der Saunakabine und all zu sehr zur Schau gestellten Piercings und Tattoos kann ich auch verzichten.

    Ich bin im normalen Leben (ein Hoch auf das Arbeiten an der Uni) durchaus mal im Girly-Schnitt-Bandshirt unterwegs, oder auch in anderen auffälligen Klamotten, aber Intimpiercings oder Tattoos – nee, danke. Aber wer’s braucht – und so lange er oder sie es nicht so offensiv zur Schau stellt wie Du beschreibst, sondern sich einigermaßen zivilisiert damit verhält wie die Leute in „meinem“ Saunapark, sei des Menschen Willen sein Himmelreich.

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    • Ganz deiner Meinung (oder wie man neudeutsch ja jetzt sagt: Da bin ich ganz bei dir :-)) – soll jeder so machen wie er will, solange er anderen nichts aufdrängt. Es gibt auch ziemliche Unterschiede, ich kenne zum Glück auch genug Saunen, in denen man sich nicht belästigt fühlt, habe aber auch schon bemerkt, dass die Tattoo- und Piercing-Dichte extrem niedrig ist, wenn extra mit Aushängen darauf hingewiesen wird, dass man sich außerhalb der Saunen – vor allem im Essbereich – doch bitteschön etwas überwerfen soll. Ist ja auch nachvollziehbar – wenn man sich schon Körperkunstwerke machen lässt, will man die auch zeigen, beim Klimperopa war das ziemlich offensichtlich 🙂 Aber wenn ich irgendwann das Gefühl habe, in einem Swinger-Club gelandet zu sein (oder zumindest so, wie ich mir einen Swinger-Club vorstelle…), obwohl ich eigentlich in einem Freizeitbad für Familien bin, dann geht das zu weit!

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      • … vor allem, da mir schon meine Brille ein zu starker Hitze-Fänger ist, in der Saunakabine. Und ich mag’s auch gerne sehr heiß, recht feucht und lang. Das befreundete Pärchen, mit dem ich öfter mal in den Saunapark gehe, begrüßte mich nach einer Aktion in der als „finnisch“ gelabelten Sauna des Parks schon mal mit „Hey, guck mal, unser Grillhühnchen!“, weil ich auf oberster Bank doppelt so lang war wie die beiden auf der zweiten von unten.

        Aber ganz wichtig ist ja auch, dass Sauna nicht zu einem „Wettkampf“ wird, wie man bei manchen (bevorzugt jünger und männlichen) Saunagängern manchmal beobachten kann. Für mich ergänzt die Sauna mein Entspannungs-Programm aus Laufen, japanischer Teezeremonie und autogenem Training optimal.

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      • Ja, nur manchmal stören eben merkwürdige Gestalten oder Geräuschproduzenten die Entspannung 🙂 Brillenträger sind übrigens eindeutig im Vorteil: Einfach die Brille absetzen – dann sieht man nichts, was man nicht sehen will!

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  4. Oh, das Stichwort „Swinger Club“ weckt ungute Erinnerungen (hoffentlich versauen wir Dir jetzt nicht Deine Google-Statistik): kennt ihr diese Gutschein-Heftchen? Wo man z.B. Essen in einem bestimmten Restaurant billiger bekommt? War eine Zeitlang DER Renner – und es war auch ein Saunagutschein drin, den ich mit meiner Freundin testen wollte.
    Das Etablissement war irgendwie SEHR merkwürdig, was schon damit losging, daß man nach dem Ausziehen erstmal mit Handtuch-Toga durch das Restaurant pilgern mußte – wir dachten, wir hätten uns verlaufen.
    Die gewünschte Sauna hatten wir dann sogar für uns, soweit erfreulich, wesentlich befremdlicher fanden wir, daß wir beim Mittagessen vom Restaurant aus freien Blick auf herumwanderndes Dörrobst aller Art hatten.
    Nach dem Fund einschlägiger Fachliteratur im Eingangsbereich stellten wir dann fest, daß wir in einem hochgelobten FKK-Paradies gelandet waren. Das wurde im Gutscheinheft irgendwie elegant verschwiegen.
    Wir wurden jedenfalls keine Stammkunden 😉 .

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    • Clevere Methode, die Leute mit dem Gutscheinheft dorthin zu locken…
      Ich habe mal einen riesigen Schreck bekommen, als ich nichts Böses ahnend im Meer mit der Taucherbrille lustig vor mich hin geschwommen bin, immer weiter an kleinen Felsvorsprüngen vorbei den Strand entlang, mich an kleinen Fischen und anderem Getier erfreuend, das ich durch meine Taucherbrille beobachtet habe – bis ich dann plötzlich beim Auftauchen feststellen musste, dass ich am FKK-Strand gelandet war… Auch dort war viel „herumwanderndes Dörrobst“, hihi 🙂
      Übrigens zeigt mir meine Statistik ohnehin schon an, dass auf diese Saunageschichten-Seite einige Leute gelangen, die per Google offenbar auf der Suche nach ganz anderen Seiten waren – hahaha!

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  5. herrlich zu lesen, danke dafür.

    ich bin selbst saunagänger und das, beruflich bedingt, in fast ganz deutschland. dabei gibt es definitiv unterschiede bei der atmosphäre in fkk-bereichen. im osten habe ich noch nie irgendwelche anstößigen szenen beobachten können/müssen. im süden ist das publikum deutlich älter, so dass man als mitte-ende-zwanziger wirklich auffällt.

    um frankfurt/köln herum ist es aber fast normal, dass mal jemand demonstrativ mit pracht-ständer aus dem whirlpool steigt, oder sich paare erschreckend rhytmisch im wasser bewegen. das sind dann allerdings auch ‚klare angelegenheiten‘, die sich vom personal klären lassen. schwieriger ist es tatsächlich bei den beschriebenen schweiß-wischern, kratzern oder sonstwie ekligen gestalten in der sauna.

    auch unangenehm finde ich leute, die in der sauna nicht einmal die bekleidet üblichen distanzen wahren. wenn eine sauna voll ist, dann ist sie eben voll. im zug würde auch niemand auf die idee kommen, sich als 5. person in eine 4er sitzgruppe zu drängen. mit baumelnden brüsten/hoden hingegen haben einige da keinerlei bedenken.

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    • Das ist eine interessante Beobachtung – und sie korrespondiert damit, dass ich einige meiner unangenehmen Beobachtungen auch im erweiterten Frankfurter Raum gemacht habe… Die Ostdeutschen sind sicher deswegen etwas normaler im Umgang in der Sauna, weil dort die FKK-Kultur zu DDR-Zeiten viel weiter verbreitet war als im Westen, was sich in diesem Fall wohl immer noch positiv auswirkt. Also auf in die ostdeutschen Saunen! 🙂

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  6. Ach die Welt ist klein 😀 Welche Thermen kennst du denn in dem Raum? Ich bin meistens in der Taunus-Therme in Bad Homburg, oder aber in der Rhein-Main-Therme in Hofheim. Letztere allerdings nur unter der Woche, da haben sich am Wochenende musikalisch beschallte Aufgüsse eingebürgert..

    Etwas weiter weg kenne ich noch die neue Badewelt in Sinsheim (bei Heidelberg), richtig klasse, aber leider teuer.

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    • Da ich zehn Jahre in Mainz gewohnt habe, war ich vor allem dort im Taubertsbergbad. Als Schichtdienstlerin, die die Möglichkeit hatte, auch regelmäßig unter der Woche tagsüber die halbwegs leere Sauna genießen zu können, war ich dort meist allein unter Rentnern – wobei Mainzer Rentner aber, wie alle Mainzer, eine besonders lustige Spezies sind, so dass ich dort einmal bei einem Aufguss unter Rentnern folgendes Gespärch anhören konnte:
      Eine Rentnerin zu anderen: „Ei, mei Jahreskadd läuft demnächst ab, isch muss mer bald e neiä kaafe.“
      Wortführer der männlichen Rentner-Gang: „Ei, bissde sischer, dass sisch in deim Alder ä Jahreskadd noch lohne dud?“
      Dröhnendes Gelächter allüberall. 🙂

      Weniger vergnüglich sind allerdings die Saunabesuche in der Heidelberger Gegend – den Klimperopa habe ich im „Miramar“ in Weinheim getroffen und ich habe auch schon von anderen gehört, die vor ihm geflohen sind. Wenn man das Miramar googelt, stößt man auch auf Foren, deren empörte Einträge leider auch zeigen, dass meine Vermutungen über das Treiben in der textilfreien Zone ab 18 Uhr richtig sind… An diesen Tagen sollte man da als „normaler“ Saunafreund wohl wirklich nicht hingehen…

      In Sinsheim war ich jetzt auch schon zweimal – vor dem ersten Mal fand ich es zwar unverschämt teuer, aber wenn man dann mal drin war, findet man es zwar weiterhin teuer, aber nicht überteuert, denn das ist schon richtig toll… Ich habe mir jetzt einen Gutschein schenken lassen!

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  7. Klasse, der Mainzer Dialekt passt genau zu der ’schnodderigen‘ Antwort bezüglich der Jahreskarte 🙂

    Vom Miramar habe ich auch schon die übelsten Geschichten gehört, dagegen wären die absichtlichen Erektionen die ich erleben ‚durfte‘ lächerlich. Den Laden werde ich mir sparen.

    Und wie du sagtest, Sinsheim ist teuer, aber man bekommt auch wirklich urlaubshafte Atmosphäre geboten. Durch die hohen Preise bleiben die klassischen Saunagänger über 50 offenbar auch fern – zumindest habe ich noch nie eine Therme gesehen, die einen so niedrigen Altersschnitt hat.

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  8. Tja, ich gehe gern in die Sauna und hab schon einiges unangenehme neben dem angenehmen erlebt. Letztlich habe ich zum Glück stets einen Weg für mich gefunden, in der entsprechenden Stadt entweder eine Sauna ausfindig zu machen, wo ich in aller Ruhe saunen kann, ohne mich belästigt zu fühlen.

    Da gab es z.B. die Bikinihose, die vom Trockenhaken weg geklaut wurde, aller Wahrscheinlichkeit nach von dem Typen, der sich in der Sauna bewusst an mein Fußende gesetzt und mich von innen durchleutet hatte, soweit ihm dies möglich war. Als ich nicht mehr anders konnte als ihn anzuschnauben, wo er bitte mein Höschen gelassen hätte und ihn dabei bewusst duzte, antwortete er: Wieso ich?? Nein, er fragte nicht: Welches Höschen?, was ihn vielleicht noch entlastet hätte. Er fragte „warum ich?“, was meine Vermutung nur bestätigte. Dies lehrte mich, mich stets mit den Füßen Richtung Wand zu legen. Der angesprochene Bademeister schien recht hilflos und verwies mich auf die Beschwerdemöglichkeit gegenüber höheren Stellen. Das hätte ich gemacht, wäre ich nicht kurz drauf aus der Stadt weg gezogen.

    Die grundsätzliche innere Entspanntheit oder gar positive Haltung auch angesichts vollständiger Nacktheit von Männlein und Weiblein jeglichen Alters und jeglicher Bauart scheint mir eine unabingbare Grundvoraussetzung für entspanntes Saunen. Manchmal empfinde ich so etwas wie eine Genugtuung: Die Sauna macht alle gleich. Da zählt kein steifer Hemdkragen und Schlips, kein Jackett und keine überdimensionierte Bemalung und Beschmuckung. Allerdings muss ich gestehen, dass ich Tätowierungen und Piercings in der Tat selbst noch nie im Saunabereich erlebte, was sicher nochmal ein Thema für sich ist. Zumal der von dir beschriebende baumelnde und klirrende Schmuck, von dem ich mich wohl auch innerlich angewidert abwenden würde. Ich glaube, ich könnte aber angesichts solch abstoßender Tatsachen früher oder später nicht an mich halten, etwas zu äußern, so dass die entsprechende Person merkt, dass sie mich nicht heimlich etwa anmacht (was sich vielleicht in solchen Gehirnen manchmal abspielen mag, ich weiß es nicht).

    Im Grunde ist die Sauna für mich oft sowas wie ein Meditationsort, wo ich mich sehr gut in mich selbst fallen lassen und tiefenentspannen kann. Klar gibt es genug Zeitgenossen, die das ab und an scheinbar zu verhindern suchen.

    Hier in der Schweiz erlebte ich anfangs einen Saunabereich, wo am Damensaunatag der Schwatz des Dorfes genau dort drin statt zu finden schien. Da war an Entspannung nicht zu denken, da musste ich mit anhören, ob ich wollte oder nicht, was der deutsche Freund der Tochter wieder angestellt hat weil er nicht arbeiten will und wie der Göttergatte am vergangenen Samstag mit ihr noch schnell ins Autohaus gefahren und ihr ein neues kleines Autolein aufgedrängt hat, das sie eigentlich gar nicht unbedingt haben wollte, jetzt aber unüberhörbar stolz drauf ist. Und wo die eine zuletzt gewellnesst hat und was es in diesem chicen Hotel alles an Shopping-Möglichkeiten gab und was sie sich gekauft hat (die zehnte Handtasche, passend in der Farbe zu …). Da war ich innerlich schon auch mal am Platzen. Fragte zuerst höflich, ob es ihnen was ausmachen würde, etwas Ruhe zu halten. Worauf geantwortet wurde: Wir flüstern doch sowieso nur. Dieses Flüstern war aber in so einem beschwörerischen und halblauten Ton, dass es in meinen Ohren gellte und ich kein Wort überhören konnte, auch wenn ich gerne gewollt hätte. So dass ich letztlich die Saune verließ mit einem wutentbrannten: DAS wollte ich nun wirklich nicht alles hören! Das musste einfach raus in dem Moment.

    An einem anderen Tag musste ich eine üble Krankengeschichte mit anhören, obwohl ich sie gerne nicht gehört hätte. Mein Gesichtsausdruck muss wohl dazu geführt haben, dass die entsprechende ältere Dame dann nach dem Saunagang zu mir sagte, dass es vielleicht nicht gerade angenehm war, dass ich diese Geschichte mit anhören musste, worauf ich vornehm schwieg, denn sie hatte es ja bemerkt und ich musste keinen Vorwurf hinzufügen.

    Ich hab dann auch andere Möglichkeiten des Saunierens in der Gegend ausgelotet und hab mich dort entspannt; bin jetzt aber in der ursprünglichen Saune an einem anderen Tag gelandet, mit anderen Besuchern, mit denen es mir erheblich besser geht. Offensichtlich hatte ich zunächst den Dorfverschwörungstag der ansäßigen Frauen erwischt. Und ich denke, meine anfänglich immense innere Ablehnung auf die Damen dort muss auch entsprechende Ablehnung bei denen erweckt haben. Vielleicht hatten sie auch das Gefühl, das sei nun mal ihre Sauna am Ort, wo sie schon so und so viele Jahre hingehen – und was will diese Deutsche ihnen da überhaupt vorschreiben?

    Ach, ein Thema, worüber man Bände schreiben könnte 😉

    LG, Marion

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    • Ja Marion, die Beobachtung, dass einige Saunagäste nicht wirklich zum Entspannen kommen, habe ich auch schon machen dürfen. Es gibt aber auch Thermen, die scheinbar genau dieses Klientel ansprechen wollen, und sowas wie „Musik-Aufgüsse“ anbieten. Da schallt dann tatsächlich aus einer Sauna 10 Minuten lang Helene Fischer, oder Unheilig aus den Boxen während aufgegossen wird. Unglaublich.

      Eine sonderbare Erfahrung durfte ich vor einigen Wochen selbst machen, als ich mit einem Kommilitonen und seiner Freundin in einer größeren Therme mit Saunabereich war. Er hat mich gefragt, ob ich Lust hätte und habe dann erst vor Ort erfahren, dass seine Freundin dabei ist. War für mich zwar überraschend, aber kein Problem – wir kannten uns und die gute Frau ist mir in angenehmer Erinnerung gewesen.
      Im Saunabereich jedoch nahm das ganze doch seltsame Züge an, da sie während dem 3 stündigen Aufenthalt maximal 2 Minuten zum Abtrocknen ihr Handtuch umlegte und sonst betont ungeniert nackt war. Prinzipiell auch akzeptabel, aber sie provozierte ganz bewusst Situationen, in denen ich ihrer Nacktheit gar nicht entkommen konnte; so beugte sie sich mit nackt über mich, um etwas aufzuheben, bückte sich direkt vor meinen Augen usw.
      Als ihr Freund dann zur Toilette ging, fing sie allen Ernstes an, sich über den (in meinen Augen völlig durchschnittlich) angeblich recht kurz geratenen Penis ihres Freundes auszulassen! Ich war irgendwann derart überfordert, dass ich die Therme vorzeitig verließ.
      Im Nachgang bin ich davon überzeugt, dass sie ausschließlich mit in der Sauna war, um mich dem auszusetzen.

      Und daher, so komisch es klingen mag, gehe ich doch am liebsten mit guten -männlichen- Freunden in die Sauna. Auf Pärchenhaftes Getue und seltsame Hintergedanken kann ich dabei jedenfalls getrost verzichten.

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      • Das mit der Musik wär absolut nicht mein Ding, nein, nein.

        Was du mit dem Pärchen erzählst, klingt wirklich seltsam. Mir drängt sich dabei die Frage auf, ob die beiden vielleicht gehofft hatten, auf diesem Weg eine Mitgespielin für einen Dreier zu finden.

        Manche scheint es tatsächlich anzuturnen, wenn jemand besonders vorsichtig mit seiner Nacktheit oder Intimität umgeht, so als würde man dadurch provozieren, dass sie einen „heraus locken“. Seltsame Welt manchmal…

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      • Das hab ich hier zum ersten Mal gehört, dass Saunas in Finnland derart verbreitet sind. Gute Sache.

        Obwohl ich persönlich so eine schöne große und gepflegte Anlage zum Saunen schon sehr schätze. Aber die Bedürfnisse sind unterschiedlich, genauso wie die Mitsaunierer und davon hängt nun mal nicht unerheblich ab, ob man sich wohl fühlt.

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  9. Pingback: Saunafreuden | Mirirallalla

  10. Puh…ich gehe nicht in die Sauna, vor allem nicht in unserer kleinen Stadt, wo des Sommers viele Herren wirklich nahtlos braun werden wollen und deshalb sämtliche (ja, sämtliche!) Winkel und Falten ihrer Anatomie in die Sonne halten. Die Sonne steht am Nachmittag leider über dem Radweg, so dass sich radfahrenden Damen Anblicke bieten, auf welche die meisten wohl eher verzichten würden (zumindest bei Herren, die ihnen nicht vorgestellt wurden). Es gibt einen Nacktbadestrand, dessen Grenzen jedes Jahr etwas in Richtung Stadtmitte verlagert werden. Irgendwann werden die Nackedeis dann auf dem Platz vorm Rathaus liegen. Und da meint noch jemand, ich ginge in die Sauna? Danke, die Aussichten im August reichen fürs ganze Jahr.

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